Habt ihr davon schon Mal gehört? Gleitschuhe, das war die obercoole Alternative zum Skifahren, also zumindest für mich. Anfang der Siebziger gab’s bei uns immer richtig viel Schnee. Es gab sogar einen Skilift in der Nähe, der bis 1995 in Betrieb war und dann leider, mangels Schnees, stillgelegt wurde. Das ist sowas, bei dem sich die „jungen“ Leute heutzutage fragen: Was rostet denn da vor sich hin? Daneben war eine Skisprungschanze, die schon sehr alt war und auf der wichtige Wettkämpfe ausgetragen wurden, bei denen es mehrere Tausend Zuschauer gab.

Die gab’s bei uns am Skihang nicht und es gab auch keinen Skilift, was auch nicht schlimm war. Wir waren jung und motiviert, immer flott zu Fuß und von oben bis unten mit Schnee bedeckt. War ja auch kein Wunder! Regelmäßig gab es „die längste Schlittenkette ever!“ und da musste man natürlich unbedingt dabei sein. Ebenfalls regelmäßig, gab es unterwegs hohe Verluste. Von den gestarteten bis zu 30 Schlitten, sind oft nicht mal die Hälfte am Ende der Schlittenbahn angekommen, was angesichts des sehr stabilen Maschenzauns, der den Auslauf jäh blockiert hat, nicht so schlimm war. Der Teil der Schlittenfahrer, der bis zum Ende fuhr, hatte es auch nicht leicht sich aus dem Haufen Schlitten und Leiber, die sich nach dem Zusammenstoß mit dem Zaun auftürmten, zu befreien. So mancher Schlitten hat hier das Zeitliche gesegnet und ist zerbrochen. Um uns von dem Sturz und den Strapazen der Fahrt zu erholen, haben wir dann Pause gemacht und mitgebrachte Weihnachtsgutsle gegessen. Was für eine geile Zeit!

Komplett nass und steif gefroren!

Nach der Pause konnten wir kaum aufstehen, nicht weil wir müde waren, sondern weil unsere nassen Hosen und Jacken steif gefroren waren und wir uns kaum noch bewegen konnten.

Aber jetzt zu den Gleitschuhen! Das war für mich das Beste überhaupt! Schon allein der Vorteil, nicht Gefahr zu laufen, im Maschenzaun zu enden und von den nachfolgenden Schlitten gerammt zu werden. Das war so richtig cool! Und am schönsten war es, wenn jemand nachts den Weg der direkt den Hang hinaufführte, mit dem Gartenschlauch in eine Eispiste verwandelt hatte. Mit einem Wahnsinnstempo bin ich diese Eispiste hinunter gerast und konnte gerade noch rechtzeitig in die Wiese lenken und bremsen, um nicht am Ende des Weges an der T-Kreuzung in den tief gepflügten Acker zu geraten. Es war ja alles beinhart gefroren, bei Temperaturen weit unter Null Grad.

Geschwindigkeit ist alles!

Und trotzdem ging es eben darum der Schnellste zu sein! Ich hatte mir extra einen Kerzenstummel von zuhause mitgebracht, um die Gleitschuhe „zu wachsen“, genauso professionell wie wir es bei den Profis im Fernseher gesehen hatten. Mit den Kumpels gefachsimpelt, ob ne rote Kerze mehr Speed bringt als ne grüne. Ja, so war das damals und es war so schön. Ganz wichtig war auch das rechtzeitige Aufbrechen und nach Hause gehen. Es ging darum, nicht zu spät zu gehen, damit man am nächsten Tag wieder zur Schlittenwiese durfte.

Von diesen Schneemengen sind wir heute weit entfernt. Vor allem auch von den Zeiträumen, in denen der Schnee liegen geblieben ist. Das ging damals über Wochen und wir waren quasi ständig beim Schlitten- oder Gleitschuhfahren.

Mal schauen wie sich dieser Winter so darstellt. Wir dürfen gespannt sein!
… und wenn’s kalt wird, ruhig mal ordentlich mit den Händen auf die Oberschenkel klopfen, das regt die Durchblutung an.

In diesem Sinne: Ski heil!
… und immer gut wachsen! Gell!

 

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